Forschungsprojekt SOLACE
Shadowed lives of Older migrants and Little ones: Access to Care and Equity
Das SOLACE-Projekt befasst sich mit einer bedeutenden und bisher wenig erforschten Dimension der gesundheitlichen Ungleichheit in Europa: dem Zugang zu Gesundheitsversorgung für besonders gefährdete Migrant*innen. Schätzungen zufolge leben 3–6 Millionen undokumentierte Migrant*innen in europäischen Ländern, wobei sich die bisherige Forschung überwiegend auf Erwachsene im erwerbsfähigen Alter konzentriert hat. Deutlich weniger Aufmerksamkeit wurde undokumentierten Kindern, älteren Migrant*innen und Personen in prekären rechtlichen Situationen gewidmet, einschließlich Asylsuchender, Inhaber*innen eines vorübergehenden Schutzstatus und Migrant*innen mit unsicheren Aufenthaltsgenehmigungen.
In den europäischen Kontexten variieren die Ansprüche auf Gesundheitsversorgung für diese Gruppen erheblich und sind oft auf Notfall- oder Kurzzeitversorgung beschränkt. Präventive Angebote, Impfversorgung, sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung, pädiatrische Versorgung sowie langfristige Behandlung altersbedingter Erkrankungen bleiben häufig unzugänglich oder werden inkonsistent umgesetzt. Diese Lücken begrenzen die Fähigkeit von politischen Entscheidungsträger*innen und Gesundheitsdienstleister*innen, inklusive und evidenzbasierte Antworten auf die wachsende soziale und demografische Diversität zu entwickeln.
SOLACE bringt Forschende der Charles University, der University of Geneva, der Heidelberg University und der University of Copenhagen im Rahmen der 4EU+ Allianz zusammen. Das Projekt verwendet ein vergleichendes qualitatives Fallstudiendesign, das auf einer Perspektive der Multi-Level-Governance basiert. Durch die Untersuchung, wie der Zugang zu Gesundheitsversorgung auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene definiert und umgesetzt wird, sollen strukturelle Barrieren, Umsetzungslücken und förderliche Praktiken in verschiedenen Sozial- und Migrationsregimen identifiziert werden.
Neben der Erzeugung vergleichender empirischer Evidenz und politikrelevanter Empfehlungen legt SOLACE großen Wert auf Kapazitätsaufbau. Nachwuchsforschende sind aktiv in alle Phasen des Forschungsprozesses eingebunden und werden von erfahrenen Mentor:innen begleitet, wodurch nachhaltige akademische Zusammenarbeit gefördert und Expertise in den Bereichen Migration und Gesundheit innerhalb des 4EU+-Netzwerks gestärkt wird.

Leitende Forschende
- PhDr. Marie Jelínková. Assistant Professor, Faculty of Social Sciences, Charles University, Czech Republic.
- Dr. Maria Marti Castaner. Associate Professor in Public Mental Health, Department of Public Health's Section of Health Services Research, University of Copenhagen, Denmark.
- Dr. Yaatsil Guevara González, HCIAS, University of Heidelberg, Germany.
- Dr. med. Yves Jackson. Department of Health and Community Medicine, University of Genève, Switzerland.